Mutter-Sein

– Mein persönlicher Langstreckenlauf auf dem Weg zu mir selbst

24, 23, 14 Jahre sind sie alt, … meine Kinder. Eigentlich gar nicht mehr so sehr „Kinder“. Zwei von ihnen sind seit einigen Jahren „eigentlich“ zum Studium ausgezogen, leben „eigentlich“ im Alltag nicht mehr bei uns. Und: sie „pflücken“ ihr Leben auf ganz wunderbare Weise.

Tatsächlich ist dieses Jahr 2020 dennoch ein Jahr, das mich mit mir als Mutter nochmal ganz intensiv in Begegnung gebracht.

„Geboren wird nicht nur das Kind durch die Mutter, sondern auch die Mutter durch das Kind.“

Bestimmt hat auf den ersten Blick „Corona“ einen wesentlichen Anteil an dieser intensiven „Innen-Sicht“ und gleichzeitig weiß ich, dass mich mein „Mutter-sein“ seit kanpp einem Vierteljahrhundert sehr tief berührt, beschäftigt und fordert – immer wieder.

In den Anfängen, als junge Mutter, hat mich ein großes Bedürfnis nach der (vermeintlichen) Sicherheit, „es“ (=die Begleitung meiner Kinder) wirklich „ordentlich“ zu machen, stapelweise Erziehungsratgeber verschlingen lassen. Mit dem wachsenden Vertrauen zu mir selbst wurden die externen Ratgeber weniger, die Phasen des Innehaltens und Kurs-Aktualisierens nicht. Nach wie vor wirken die Beziehungen zu meinen Kindern als die stärksten Spiegel meiner eigenen Themen.

Also, in diesen vergangenen Monaten erneut, … tiefer vielleicht, … aber erneut:

Resümieren, Reflektieren, Resonieren

 

1. Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das von sich eine schlechte Meinung hat.

 

Wie oft straucheln wir durch Handlungsmuster, die „eigentlich“ gar nicht so wohltuend sind? Stoßen an Grenzen in der Beziehung zu den Kindern?  Ent-Täuschungen auf beiden Seiten. Nicht selten versuchen wir zu kompensieren  … eine Form des „schlechten Gewissens unter der Oberfläche“.

In meiner  Arbeit mit Frauen durfte ich verschiedene Aspekte sammeln:

  • „Ich bin ja nur zu Hause bei den Kindern, dann muss wenigstens das PERFEKT laufen.“
  • „Ich selbst hatte eine sehr bescheidene Kindheit, das will ich für meine Kinder ganz anders.“
  • „Die Beziehung zu meinem Partner ist nicht gut, die Kinder sollen bloß nicht darunter leiden.“
  • „Das ist mein absolutes Wunschkind, hatte die Hoffnung schon aufgegeben. Ihm soll es an nichts fehlen“.
  • „Ich hatte eine Bilderbuch-Kindheit… das sollen meine Kinder mindestens auch so erleben.“

Einer meiner Trigger war:

  • „Durch die Scheidung ist den (beiden älteren) Kindern die „Happy Family-Erfahrung“ verwehrt.“

Wir bewegen uns in einer Kultur des „Nicht genug Seins“. Es könnte mehr hiervon oder davon sein. Wir glauben, unser Dasein als Mutter/Eltern hänge an bestimmten „Ergebnissen“. Wir wollen das ALLERBESTE für unsere Kinder.

Also, im Frühjahr dieses Jahres … mit detektivischem Gespür durfte ich den Blick erneut nach innen richten, sehen, was sich da gerade so tummelt und annehmen, was da ist,  … es darf sein. Immer wieder zeigt sich eine Struktur, die ich längst „erledigt“ geglaubt habe oder eine neue Facette. Als würde ich ein fremdes Land bereisen: Zunächst die „Haupt-Sehens-Würdigkeiten“, dann immer genauer zeichnet sich das Bild „dieses Landes“, die Eindrücke werden vielschichtiger,  das Bild wird feinstrichiger gezeichnet:differenzierter.

Der innere Richter, der manche Gedanken oder Wahrnehmungen zensieren will, hatte Pause!

2. Alles tun ist nicht gleich Liebe, oder: Grenzen sind auch Liebe.

Mitte März und sie waren also wieder alle da, kamen aus ihren kleinen WG-Zimmern irgendwo in Deutschland zurück ins zuHAUSe und schlagartig waren wir im Alltag zu sechst.

Als Tochter einer unbeschreiblich fürsorglichen Mutter falle ich in diesen „Wir sind alle zusammen-Momenten“ gerne in einen Modus, den ich „eine gute Mutter ist dafür verantwortlich, dass es all ihren Lieben wunderbar geht“ nenne. Und das umfasst ALLES … ich meine die gesamte Infrastruktur eines Großfamilienhaushalts inklusive der emotionalen Zustände.

Dieses Muster, … in ein wildes, umfängliches TUN zu verfallen, lässt mich mich selbst verlieren, führt in eine emotionale und auch körperliche Erschöpfung und damit tritt alles ein … nur nicht der Effekt, dass es uns allen gut geht. 😉

Eine Gesprächspartnerin des Couch-Gespräche Podcasts, die mit 68-er Eltern aufgewachsen ist, hat zu mir einmal gesagt: „Grenzen sind Liebe“.

Ja, Grenzen schaffen Klarheit und geben Sicherheit,  decken versteckte Erwartungshaltungen schnell auf, führen zu Dialogen und zu Begegnung. Und Grenzen sind Liebe für ALLE deine Lieben … INKLUSIVE dir selbst.

Das Spannende ist ja, je mehr wir versuchen, sämtliche Steine aus dem Weg unserer Kinder zu räumen, desto weniger Raum ist für das Erfahren und Entwickeln der eigenen Super-Power.

Tun wir unseren Kindern tatsächlich einen LIEBES-Dienst, indem wir die Verantwortung für alles an uns nehmen?

Oder anders: Wodurch erwächst die Ver-ANTWORT-ung für das eigene Leben, diese Lebens-Kraft?

Sicher ist es ein Prozess, ein hin-wachsen, sicher braucht es verlässliche, integere Begleiter, die Schutz bei Gefahr bieten, Halt bei Frustration geben, Perspektiven weiten und Vertrauen in die Fähigkeiten schenken und stärken … aber ebenso sicher braucht es Raum für eigenes Er-LEBEN.

Den Lebensalltag jenseits der Familie „pflücken“ die beiden Älteren voller Klarheit und machen „ihr Ding“ auf wunderbare Weise. Sobald die Haustüre von innen zufällt, setzen allerdings häufig Familienmuster ein, aus denen wir alle vermeintlich schon längst rausgewachsen sind.

Dann ist Zeit für Gespräche. Das Formulieren der Bedürfnisse, das Abgleichen der Haltungen. Raum für Austausch. Immer wieder, wenn es bei einem Familienmitglied zwackt, sitzen wir zusammen. Inzwischen wird die Gesprächsführung situativ übernommen, Unangenehmes von den Kindern gleichermaßen  initiiert. Familie auf Augenhöhe.

 

3. Was wünsche ich mir für DICH,

mein Kind?

 

Die Dinge auf der Handlungsebene zu organisieren ist erstmal eine Sache. Mein persönlich umfassendster Streckenanteil auf meinem Weg „zu mir als Mutter“ war allerdings mein „inneres Navi“ zu programmieren. Ich habe nach den „Geschenken“ gesucht,  die ich meinen Dreien idealerweise als Ausrüstungspaket für ihr Leben mitgeben möchte.

Also: anstatt über Methoden und Strategien in den Einzelsituationen zu grübeln, haben wir das Wertegerüst unserer Familie definiert,  das uns über die Jahre als Leitstern gedient hat. … Was nicht heißt, dass uns das durchgängig glückt. Wie auch beim Navi haben wir SELBSTVERSTÄNDLICH den einen oder anderen Umweg genommen. 😉

Gerne möchte ich unsere (das ist unsere persönliche Auflistung, die für dich und deine Familie ganz anders aussehen kann) wesentlichen „Werte der Grundausstattung“ mit dir teilen, die du auch als Familien-Leitstern grafisch gestaltet findest.

 

Unser Familien-Leitstern

 „Ich möchte dich Mitgefühl lehren, indem du mich mitfühlend mit mir selbst und anderen Menschen umgehen erlebst. (Selbst-)Mitgefühl erleichtert dir, deine Grenzen zu achten und die Grenzen anderer Menschen, Lebewesen und unserer Umwelt zu respektieren.

Ich teile meine Geschichten von Zweifel und Verwundbarkeit ebenso wie die von Mut und Stärke. Auch wenn ich gerne Trauer, Ängste und Schmerz von dir fernhalten möchte, werde ich einfach an deiner Seite sein und dich halten beim Fühlen. Jede einzelne Erfahrung wird dich mehr zu einem empathischen und authentischen Menschen machen. Nicht das Bild, das andere über dich haben, soll deinen Weg lenken. Kümmere dich darum, die Person zu sein, die du für dich selbst bist.

Ich sehe DICH, deine Gaben und deine Einzigartigkeit. Habe Mut, dich zu zeigen, .. ohne Maske und vertraue deiner inneren Kraft, um deinen UR-eigenen Weg zu entdecken … .

Ich werde dir keinen perfekten Lebenslauf vorleben, werde dir lediglich zeigen, dass du dich voller Vertrauen und mit ganzem Herzen in den LebensFLUSS begeben kannst. Wenn ich Fehler mache, werde ich die Verantwortung dafür übernehmen, die Erfahrungen anerkennen und bereichert weiter gehen. Das öffnet dir den Weg, herauszufinden, was du wirklich willst.

Ich will dir mein „inneres Kind“ zeigen und mit dir gemeinsam die Freude und Leichtigkeit des Lebens feiern. Wir geben uns die Erlaubnis, ganz wir selbst zu sein, albern zu lachen und zu sprechen, „dumme Fragen“ zu stellen und immer nach Antworten zu suchen.

Ich wähle die Analogie des Samenkorns, um dir die Verantwortung für die eigenen Gedanken, Gefühle und Handlungen sichtbar zu machen. Das, was wir säen, werden wir ernten, gemäß dem Gesetz von Ursache und Wirkung. Wenn dir etwas zutiefst wichtig ist, gib dich voll und ganz hin.

Ich drücke immer wieder meine Dankbarkeit für dich in meinem Leben aus. Dankbarkeit ist der Ursprung von Freude.

Ich schenke dir Raum. Es ist immer Platz für dich in meinem Leben, du erfährst Verbindlichkeit in Zusagen und Integrität in den Aussagen.

Träume groß. Spreche in Klarheit, Echtheit und Ehrlichkeit deine Wahrheit.

Ich weiß: DAS LEBEN IST IMMER FÜR DICH! Vergib mit weitem Herzen dir selbst und anderen und finde Perspektiven, die dich bereichern und wachsen lassen. Gerade schwierige Begegnungen lassen in dir Fähigkeiten keimen, die dich für das „das Spiel des Lebens“ wundervoll ausrüsten.

Bitte wisse: Das Leben ist bunt, weit, frei und reich.

Über allem steht: du bist unendlich geliebt und liebenswert. Ich werde lächeln, wenn du mir begegnest, ich werde es dir sagen und mein Verhalten wird dir meine Liebe zeigen. Du bist von unendlichem Wert und ich versuche es dich zu lehren, indem ich meinen Wert schätze.

Du bist ein Geschenk für mein Leben!“

 

 

 

4. Eine glückliche Mutter ist für die Kinder lehrreicher, als 100 Lehrbücher über Erziehung

Alte „Etiketten“ aus meinen Handlungsmustern abzulösen ist fast sowas wie ein „Dauerauftrag“, gerade auch in diesem Lebensbereich. Ein ganz wesentliches dieser Etiketten ist, dass nicht die Quantität an anwesender Zeit die Qualität der Mutter (-Beziehung) definiert. Es ist meine innere Ausrichtung, die mich gut exakt an dem Platz wirken lässt, an dem ich gerade bin … oder, wie Daniela Schmidt, eine zutiefst wertgeschätzte Couch-Gesprächspartnerin gesagt hat: sie schließt im Alltag immer die Türen, wenn sie zwischen den Lebensbereichen wechselt.

Über die Jahre durfte ich mich mehr und mehr in die Erkenntnis entwickeln, dass mein Wohlbefinden, meine eigene Ausgeglichenheit ein maßgeblicher Erfolgsparameter für unser Familienklima ist:

Wahre Kraft und wahre Liebe offenbaren sich von Innen nach Außen.

Durch diesen fürsorglichen Blick auf mich selbst, zeichne ich ein anderes Vor-Bild. Meinen Töchtern öffne ich vielleicht den Raum, sich gut spüren zu dürfen, eigene Bedürfnisse und Wege wichtig und ernst zu nehmen und klar zu kommunizieren. Von Frauengeneration zu Generation passiert da wirklich viel.

Mein Sohn erlebt vielleicht eine Frau, die für das eigene Lebensglück die Verantwortung übernimmt, losgeht und mit dem Partner gemeinsam kreative Lösungen für ein stimmiges, ausbalanciertes FamilienMiteinander entwickelt.

Am Ende sind es wahrscheinlich sehr wenige „Herz-Stücke“ die wir für die Begleitung dieser weisen Wesen, unserer Kinder, benötigen, : Liebe dich selbst, vertraue deinen Gefühlen, nimm Chancen wahr, pflege Erinnerungen, feiere den Moment, lerne aus Erfahrungen und habe Vertrauen, in eure Beziehung –vielleicht wird sie nicht wie geplant verlaufen- aber genauso wie sie sein sollte.  🙂

 

Herzlichst Petra

 

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