Lockdown, Wurzeln und Wandel

 

Für alle, die in diesen Tagen …

… versuchen, das Richtige zu machen
… versuchen, offen zu bleiben
… versuchen, weiterzumachen, ihren „Flow“ immer wieder zu finden
… versuchen, jedem Tag neu zu begegnen
… versuchen, ihre Balance zu halten
… versuchen, ihrem Gegenüber mit Mitgefühl zu begegnen
… versuchen, mit sich selbst liebevoll und gütig umzugehen
… versuchen, ihren Teil zu einer gesunden Gesellschaft beizutragen.

Wir nähern uns rasant der 1-Jahres-Marke der Pandemie. Puh, ein Jahr der aktiven Antennen, um Zusammenhänge zu beobachten, darüber zu brüten, nachzudenken, hinzuspüren und immer wieder Strategien für eine gesunde seelische Balance im Alltag zu finden. Ein Jahr der Aufs und Abs. Jeder ist „beschäftigt“ mit der Pandemie auf seine ganz persönliche Weise … und doch eint uns diese Zeit der Veränderung und die Aufmerksamkeit, die wir ihr schenken.

Gerade erreichen mich gehäuft Stimmen, die ganz entsetzt über ihren eigenen inneren Zustand sind. Menschen, die sich „früher“ als offenes, mitfühlendes Mitglied gemäß dem Prinzip „leben und leben lassen“ in der Gesellschaft bewegt haben, beobachten in sich, dass sie regelrecht „böse werden“, dünnhäutig, ungerecht, argwöhnisch andere Menschen beobachten und diese be-WERTEN … sie sind über sich selbst erstaunt … und entsetzt … und unsagbar ermüdet und zart. Und dabei jeder gibt sein Möglichstes …

Es fällt schwerer, die innere Balance immer und immer wieder herzustellen. Fast so, als gäbe es in sich eine leise, innere Blutung, die keinen GROSSEN, HEFTIGEN Schmerz verursacht … und dennoch versickert lebenskraftspendendes Blut im umliegenden Gewebe.
Gleich vorneweg: Ich sage das mit der Intention, dich zu „empowern“. Alle Gefühle, die du in Bezug auf die Pandemie, dein Leben, deine Beziehungen, auf DICH wahrnimmst, sind echt, normal und nicht außer-gewöhnlich. Du bist damit nicht allein. Es ist gerade leicht, den tiefen Optimismus zu verlieren, wenn man umgeben ist von Niedergeschlagenheit.
Jeder befindet sich in seinem persönlichen Mikrokosmos mit den ganz ur-eigenen Herausforderungen. Was ist es, das -selbst, wenn die persönlichen Rahmenbedingungen nicht existentiell bedroht sind- so erschüttert, so verletzlich macht?
Warum ging es im vergangenen Frühjahr vielleicht noch so viel leichter?
Gerne möchte ich dir drei Perspektiven auf das „große“ Bild anbieten …

„Mit jedem Perspektivwechsel geht die Chance einher,
im Vertrauten Neues zu entdecken.“

M. Mirwald

 

„In der Stille des Winters

liegt die Kraft für das Neue“

Mit Beginn des November-Lockdowns nahm die Dunkelheit bis 21. Dezember noch täglich zu. Die Monate der Kälte, der Dunkelheit setzten ein, oft herrschte trübes Wetter vor, wertvolles Vitamin D steht „natürlich“ weniger zur Verfügung. Das Jahr 2020 hat mich -gerade durch die Pandemie- sehr intensiv in Kontakt mit der Natur gebracht. Ein leiser, langsamer Kontaktaufbau, der inzwischen zu einer tiefen Faszination gereift ist. Und so finde ich für uns Menschen –als EIN Teilchen der Natur- so wunderbare Analogien, die einen wertvollen Leitfaden für Lebensrhythmen anbieten: Die späten Herbst-/Wintermonate sind eine Zeit der EIN-kehr, des Innenseins, des Loslassens, des Wagemuts. Im ewigen Kreislauf der Natur ist es die Zeit der Leere, Ausdauer und der Reduzierung auf das Wesentliche … durchaus auch eine Zeit der Geborgenheit … zum Kraft sammeln für den Neubeginn ab Anfang Februar. Sie laden ein, HIN zu spüren, wo stehe ich gerade im Leben mit meiner inneren Kraft. Eine Mischung aus Emotionen bleibt selten aus. In „normalen Zeiten“ war der Dezember ein „hochaktiver“ Monat, in dem vorweihnachtliche Termine, Treffen und Unterhaltungsmöglichkeiten reichlich angeboten wurden … die „natürliche“ Zeit der Einkehr war dicht, aktiv, voll und LAUT. Ab-Lenkung, Um-Lenkung. Ganz anders in diesem Winter: im Außen war es leer und ruhig. Vielleicht für manchen ungewohnt -vielleicht für manchen auch sehr LAUT- in dieser Stille …, die pure Begegnung mit all meinem „Nahen“, in mir und um mich herum … Hin- Lenkung, Innen-Lenkung.  
Geborgenheit in dir

 

 

„Und sind wir doch so verschieden, es ist die Zeit, die uns verbindet.“

 

Reisen wir gar nicht so weit in unserer Gesellschaft zurück, so finden wir zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Lebensform der Großfamilie, die nährend, verbindend und ordnend dem Einzelnen als Basis diente. Von der industriellen Revolution über die Dienstleistungsgesellschaft hin zur Informationsgesellschaft haben sich unsere Lebensformen gewandelt: Großfamilie-Kleinfamilie-Lebensgemeinschaften-Singlehaushalte.
Aus einem Bezugssystem haben wir uns hin zu diversen Zugehörigkeitssystemen entwickelt, die sich allein innerhalb eines Tages mehrmals verändern: Wir verlassen morgens unsere „homebase“, um in das soziale System unseres Arbeitsplatzes zu wechseln, besuchen Sportkurse, treffen Freunde, gestalten unsere Freizeitaktivitäten, gehen einkaufen, haben die Kinder in Kita, Schulen,… fahren in den Urlaub … jeweils neue Bezugssysteme.
Es gibt heute nicht mehr DAS individuell tragende, nährende Wurzelsystem, sondern viele unterschiedliche. … Mit dem Lockdown sind wir von einigen „abgetrennt“.
Durch die „mangelnde Versorgung“ an Begegnung, Austausch und Berührung, zeigen sich freie, innere Räume. Das Kreisen in den eigenen Gefühls- und Gedankenwirbeln erfährt wenig „Sauerstoffzufuhr“ durch unser Umfeld. Dies führt bei Manchem zu Einsamkeit, dem Gefühl des „Verloren-Seins“, Neid, Verzweiflung, hin zu Schmerz, Isolation, Wut, Aggression …
Wir sind soziale Wesen … das ICH spürt sich erst am DU.
Das ICH erblüht am DU. Gleichzeitig „schwappt“ die Welle der kollektiven Gefühle und Stimmung auch über den Einzelnen.
Klingt wie ein Paradoxon: Einerseits sind wir alle in der aktuellen Situation verbunden und fühlen uns dennoch weitgehend allein im Umgang damit.

„Der Weg gibt dir nicht das,
was du willst,
sondern das, was du brauchst.“

 

„Nicht jeder positive Wandel fühlt sich zu Beginn positiv an.“
Gelegenheiten, die triggern, rütteln, schütteln und aufwühlen, bietet uns die Pandemie mit ihren unterschiedlichen Lockdown-Stufen zur Genüge. Schonungslos ehrlich und klar zeigt sie uns unsere „wunden Stellen“.

Hast du Lust auf ein kurzes Gedankenspiel?

 

 

Was wäre, …

  • Wenn der Zustand der Menschheit zum jetzigen Augenblick …mit all den Ängsten, Unsicherheiten, Aggressionen, Schuldzuweisungen, … ein Spiegelbild unseres Inneren wäre?
  • Wenn der globale Zustand eine Einladung zu einem grundlegenden Werte-Wandel unseres Miteinander-Mensch-Seins wäre?
  • Wenn über die Möglichkeiten der intensiven „Kontaktaufnahme“ zu uns selbst eine gewandelte, GESÜNDERE Beziehung zu uns selbst erwachsen würde? … weil wir uns genau danach sehnen?
  • Wenn wir jetzt ganz mutig dableiben, nicht ausweichen würden, um all dem Raum zu schenken, was sich zeigen will?
  • Wenn wir dadurch in der Lage wären, eine andere Art der Verbindung und Verbundenheit zu unseren Mitmenschen aufzubauen und zu kultivieren?
  • Wenn ein Feld aus Mitgefühl und Verständnis den Raum für Echtsein, Verletzlichkeit und Vertrauen öffnen würde?
  • Wenn nach dem inneren und äußeren Chaos Neuordnung einsetzen würde?
  • Wenn aus der Asche der „ME-Kultur“ eine „WE-Kultur“ ganz zart und frisch und grün erblühen würde?
  • Wenn du mit deinem inneren Leuchten als mitfühlender Strahl kraftvoll in der Veränderung der Gesellschaft wirken würdest?
Wandel kann schmerzen. Manchmal zerreist es einem fast das Herz. Loslassen und auf neuen Pfaden loszustapfen fühlt sich herausfordernd an. Aber nicht herausfordernder als im Widerstand irgendwo festzustecken …irgendwo sich zu verlieren. Dort, wo es längst nicht mehr „passt“ oder dort, wo es das Alte so gar nicht mehr gibt. Veränderung bedeutet Transformation … wir lassen das eine los, um Raum für die Entstehung von Neuem zu schaffen. Das vermeintliche Ende des einen ist oft einfach der Anfang von etwas, das in Erscheinung treten möchte. WANDEL.

„Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.“
F. Nietzsche

 

Tipps und Tools für die „innerwärts-Reise“


In der Couch-Gespräche  Podcast Folge #33: „Lockdown, Ohana, und Lagerfeuer oder: Wie Aloha für Perspektivwechsel sorgen kann“, spreche ich über den Begriff OHANA (=Einheit des Ganzen) aus der hawaianischen Kultur, die sich abends um das Feuer versammelt, um für „Einklang“ mit sich, der Gemeinschaft und der Natur zu sorgen. Höre gerne hier mehr dazu.

Feuerstelle

Was kann diese Feuerstelle in deinem Alltag sein?

    • Eine Kerze, die du abends anzündest, mit der Intention, den Tag mit allem, was er gebracht hat zu verabschieden?
    • Eine „ritualisierte“ (1x wöchentlich, monatlich …) Begegnung mit einem Herzensmensch, um das, was an „Verstricktem“ wahrnehmbar war auszutauschen und „dem Feuer“ zu übergeben?
    • Notizen am Tagesende, mit dem, was du gerne vor der Nacht loslassen wolltest, diese sammeln und in feuerfestem Gefäß anzünden? 

Freundschaft mit sich selbst pflegen

    • Stille gegen Einsamkeit in Form von Atemübungen, Meditationen, Yoga, Tai-Chi…
    • Naturverbundenheit nutzen: erste Gartenarbeit, Waldspaziergänge, Vögel füttern,
    • Tägliche Freudekultur –statt Drama: Einmal täglich einen festen Zeitraum vorsehen für etwas, das das Gefühl von Freude in dir auslöst: zu lauter Musik tanzen, singen, malen, basteln, schreiben, komponieren … Kreativität macht glücklich
    • Stopp jeglicher Vergleiche: Filtere das, was du „konsumierst“ für deine mentale Gesundheit und hole dich immer wieder auf den eigenen Weg zurück.

„Sei wie eine Brunnenschale,
die zuerst das Wasser in sich sammelt
und dann überfließend weitergibt.“
Bernard von Clairvaux

 

Herzlichst Petra

 

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